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TWO SLEEVES & ONE COLLAR

Seit Ende des 19. Jahrhunderts dient der Herrenanzug den Couturiers als unerschöpfliche Inspirationsquelle bei der Schaffung von Damenmode. Wir können heute mit Überzeugung sagen, dass die weibliche Garderobe vollständig alle Bestandteile der männlichen Kleidung übernommen hat und es nun nur mehr um die einzelnen Details geht, die von den Modeschöpfern weiterhin praktisch unverändert auf die Damenbekleidung übertragen werden. Gerade das 20. und 21. Jahrhundert lassen sich als eine Epoche der Details bezeichnen, die sich dauerhaft in der Kleidung unterschiedlicher sozialer Gruppen festsetzen.

Das Hemd dient mehr als jeder andere Gegenstand des männlichen Kostüms als eine Aussage über die finanzielle Situation und den Status seines Trägers. Seit Ende des 18. Jahrhunderts nahm es schrittweise jene Formen an, die wir heute kennen. Grundlegende Attribute des Hemdes waren und sind seine Manschetten und der Kragen. Diese konnten getrennt gekauft werden (um das Geld für ein neues Hemd zu sparen), was auch von der schnell anwachsenden bürgerlichen Schicht erfolgreich genutzt wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnten gewisse Arten von Manschetten sehr teuer sein und als Luxusartikel gelten. So soll beispielsweise einmal das englische Parlament Karl dem II. die von ihm geforderte Anschaffung neuer Manschetten aufgrund ihres hohen Preises verweigert haben.

Das Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner rasanten Industrialisierung unterwarf die Herrenbekleidung äußerst strengen Normen des Zulässigen. Auch heute noch lässt sich sagen, dass die Schwankungen und Normabweichungen in der Männermode, die wir von Saison zu Saison beobachten, im Vergleich zu jenen der Damenmode unbedeutend und kaum wahrnehmbar sind.

Abgesehen vom T-Shirt wurde die Herrengarderobe im Lauf des letzten Jahrhunderts durch kein einziges neues Element erweitert, wiederum verglichen mit der Damenbekleidung, die für sich zum Beispiel nachhaltig die Hose erobert hat und diese auch zu mehr als 101% verwendet.

Ein Herrenanzug kann heute also durchaus aus einem Paar Jeans, einem T-Shirt und einem Sakko bestehen. Was fehlt hier, und können wir dem etwas hinzufügen?

Das zeitgenössische Design kommt nicht ohne Verweise auf die Geschichte aus, und ein konzeptueller, ironischer Zugang ist ebenso Voraussetzung wie die hochwertige Technologie der Verarbeitung.

Unser Vorschlag: die Verbindung von Manschetten und Kragen mit Hilfe eines Schals. Ein solcher Kleidungsgegenstand kann gemeinsam mit einem Hemd oder einem T-Shirt getragen werden, was es dem Mann erlaubt, sich seriös-geschäftlich oder leger zu geben, in jedem Fall aber interessant, je nach Situation.

Der vorliegende Gegenstand, der auf einem Grundelement der Herrenkleidung (nämlich dem Hemd) beruht, versucht nicht etwas an der Proportion des „Männlichen“ zu ändern – er wirkt lediglich zu Gunsten des Intellekts und des freien Spiels der Imagination.

Lena Kvadrat, 2009