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04/05 dandyism
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Hinterlassen Sie Eindruck und entfernen Sie sich.

Das Dandytum tauchte als Phänomen erstmals im frühen 19. Jahrhundert auf und trat seither in der urbanen Zivilisation in immer neuen Spielarten in Erscheinung. Damals prägte die stark emporstrebende Bourgeoisie jene sozialen Strukturen, die sich auf den Unterschied zwischen den Geschlechtern, genauer zwischen geschlechtsspezifischem sozialen Verhalten (Gender) gründete. Diese Unterscheidungsmerkmale bestimmten das gesamte 19. und 20. Jahrhundert hindurch alle Bereiche des Lebens.

Demonstrieren Sie Leichtigkeit in Ihrem Verhalten, Ihren Manieren und in Ihrer Sprache.

Die Prinzipien von Demokratie und Industrialisierung beeinflussten auch die Kleidung radikal: Die Gesellschaft strebte einem neuen Schicksal entgegen – der Aufklärung. Mit der Kritik der religiösen Traditionen wurde das Ziel des Menschen sich in Gott zu finden abgelöst vom Bestreben, sich zu einer eigenständigen und unabhängigen Persönlichkeit zu entwickeln. Gleichzeitig wurde eine neue ästhetische Kategorie eingeführt: das Detail. Details wurden zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal der Kleidung, welche die gerade erst erkämpften Prinzipien von Demokratie und Arbeit verteidigte.

Kleiden Sie sich elegant, aber unauffällig.

Diese neuen Unterscheidungsmerkmale, die nun die Kleidung bestimmten, waren mehr Zeichen einer Komplizenschaft denn Zeichen einer sozialen Differenzierung oder Überlegenheit. Kleidung gewann einen metaphysischen Charakter: den der Konfrontation zwischen Individuum und Masse. Die Art, wie Kleidung getragen wird, und die sie kennzeichnenden Details haben die Dekonstruktion, die Deformation von traditionellen Kleidungskonzepten zum Ziel, die Befreiung von allen Werten, die mit anderen geteilt werden. Da Details in einer industrialisierten Gesellschaft eine schier endlose Variation des Outfits zulassen, ist Kleidung kein fertiges Produkt mehr, sondern eher ein Objekt, das einer ständigen Bearbeitung unterliegt.

Streifen gehören zu den so genannten „schwierigen“ Stoffen. Sie können schmal oder breit sein, sie wirken dynamisch und sind, bei entsprechender Breite, dekorativ. Als schwierig gelten sie deshalb, weil sie an den Nähten perfekt zusammenlaufen müssen, was sich in der Produktion durch einen besonders hohen Materialverbrauch auswirkt. Heute aber passiert dieses Zusammenfügen der Nahtstellen – sowohl im übertragenen als auch im direkten Sinn – in den Köpfen der Menschen. Was gestern noch als merkwürdig galt, gibt die Modeindustrie heute als Standard aus, wobei der Passgenauigkeit der Streifen absichtlich keine Bedeutung beigemessen wird.

Handeln Sie exzentrisch, aber stellen Sie sich nicht zur Schau.

IKEA macht der Mittelklasse auf der ganzen Welt vor, wie man/frau seine/ihre Umgebung einzurichten hat. Für die aktuelle Kollektion verwenden wir u.a. diverse Skizzen, wie sie als Hilfe beim Zusammenbau von Möbeln, etc. zum Einsatz kommen. Diese Zeichnungen demonstrieren, wie man die Einzelteile zu einer konkreten Form zusammensetzt. Dabei gibt es immer nur eine Möglichkeit. Der Dandy steht nicht nur für Mode, sondern auch für Kultur; deshalb ist sein Verhältnis zur Gesellschaft ein angespanntes: Er verkörpert jene Form der Kultur, welche die Gesellschaft beherrschen sollte, es aber nicht tut.

Bewahren Sie stets einen kühlen Kopf.

Das weibliche Kostüm besteht aus vielen Elementen und lässt dadurch wesentlich mehr Kombinationen zu. Es ist heute dandy-like. Während die männliche Art sich zu kleiden seit mehr als zwei Jahrhunderten nahezu unverändert blieb, hat hingegen die weibliche Kleidung erfolgreich wichtige Komponenten der männlichen, wie Hose, Hemd, Jackett integriert. Unterschiedlichste Kombinationen von Rollenbildern sind in der weiblichen Kleidung weniger Tabu als in der männlichen. In jedem Büro ist Platz für eine Frau im Anzug, ein Mann im Rock hingegen wird eher dem Karneval zugeordnet.

Lena Kvadrat

 

Literatur:
Hörner, Fernand: Die Behauptung des Dandys. Eine Archäologie, Transcript, 2008
Erbe, Günter: Dandys. Virtuosen der Lebenskunst, Böhlau, 2002
Otto, Mann: Der moderne Dandy. Ein Kulturproblem des 19. Jahrhunderts, Berlin, 1925
Roland Barthes: The Fashion System, 1967
Sergey Krasovsky: Nonconformism – Fashion and Style, 2003